"Da kommt ja die Johanna. Großartig, damit sind wir vollständig“, verkünde ich gegen 7:30 Uhr am Oberndorfer Bahnhof. „Der Raphael fehlt doch noch!“ Überrascht ob dieser Widerworte gebe ich zu: „Ähm, stimmt ja. Kommt der noch?“ Bestimmt.

7:36 Uhr: die Zugtüren schließen sich. Zusammen mit meinen 8 Jüngerinnen und Jüngern vom 4-stündigen Physikkurs der Stufe 11 mache ich mich auf den Weg zum Tag der Physik nach Konstanz. Doof nur, dass sogar noch ein Schüler mehr die Wagnis aufgenommen hat und den Roth'schen Physikkurs wählte. „Der Raphael hat grad 'nen Foto geschickt. Der spielt Poker im Oberstufenraum.“ WTF! „Bitte waaass?“

Einige Whatsapp Messages später ist klar, dass der Held der Stunde die Exkursion schlicht verpeilt hat. Immerhin nimmt er das Risiko auf sich, alleine mit dem nächsten Zug nachzukommen. Derweil überlegen wir bereits, ob er seine nächste Nachricht wohl aus Stuttgart schicken wird.

Um kurz nach 10 Uhr sitzen wir dann im großen Physiksaal und lauschen dem amüsant-spannenden Vortrag von Professor Ganteför über die Entstehung des Universums und die Bedeutung der Physik, welcher gespickt ist mit etlichen Seitenhieben in Richtung Politik. Wusstet ihr, dass es demnächst den Staubsaugern genau so wie den Glühbirnen ergehen wird? Diese sind laut EU offensichtlich zum Großteil für die Klimaerwärmung verantwortlich („Beim Saugen wird einem ja auch richtig warm!“) und die stromfressenden Exemplare sollen verboten werden. Eine totale Quatschidee – mal wieder.

Im Anschluss folgt die berühmte Weihnachtsvorlesung, in der nicht nur Mohrenköpfe im Vakuum, Blumen unter -200°C und Blitze bei mehreren Millionen Volt untersucht werden. Da sorgt auch eine einfache Büroklammer für Erstaunen, die sich nach dem Verbiegen und dem Übergießen von heißem Wasser, offensichtlich ihrer ursprünglichen Form erinnert und zu dieser zurückkehrt. Dieses kratzbürstige Verhalten kann nur dadurch erklärt werden, dass es sich offensichtlich um eine weibliche Büroklammer handelt *Grins.

Kurz vor Ende traf schließlich auch das verlorene Schaf Raffael ein.

In der Mittagspause konnte die Uni Konstanz bei meinen Schülern durch ihre Mensa dicke Pluspunkte sammeln. Außerdem traf ich ein paar ehemalige Mitstudenten und widerlegte dadurch die Behauptung, meine Freunde seien alle Einbildung – gell eLISAbeth (*Name aus Datenschutzgründen geändert).

Ein großes Thema war auch die Frage, ob das Physikstudium den männlichen Haarausfall fördern würde. Sämtliche Physikprofessoren und Doktoranden schienen nämlich diesen Verdacht zu erhärten und es darf jetzt jeder mal an die netten Physiklehrer am GAR denken, um zu einem eigenen (leider eindeutigen *heul) Ergebnis zu gelangen.

Um 14 Uhr bekamen wir dann noch das Laborleben als Solches zu sehen. Wir bestaunten Siliziumkristalle und die daraus hergestellten Solarzellen, waren leicht verstört und gleichzeitig fasziniert über die Abgedrehtheit der Doktoranden der theoretischen Physik, die versuchten uns mit viel Mühe die Quantenkryptographie näher zu bringen. Zum Schluss konnten wir eine Ultrahochvakuumkammer bestaunen, in der spannende Experimente mit Graphen (langgesprochenes „e“ und wie die Graphitmine des Bleistifts aus Kohlenstoff) durchgeführt werden. Schon erstaunlich, welcher Aufwand betrieben werden muss, um einen Raum mit Nichts, bzw. „fast Nichts“ zu erzeugen.

Letztlich waren wir dann um 18:30 Uhr wieder in der Heimat und um eine sehr interessante und spaßige Exkursion reicher. Schön war's!

A. Rothe